23.0418:25 Uhr

Ein Viertel, drei Bars: Rund um den Hauptbahnhof

Ein Viertel, drei Bars: Rund um den Hauptbahnhof

Christian

Jede Woche lassen wir uns einen Abend lang durch ein anderes Viertel treiben und besuchen dort drei Bars. Heute: Das Hauptbahnhof-Viertel mit dem Café Kosmos, dem Café Gap und der Wombats-Bar.

Als wir das Café Kosmos durch die gläserne Tür betreten, müssen wir als erstes ein Ausweichmanöver fahren. Eine mit ziemlich vielen Tellern beladene Asiatin kommt uns entgegen, murmelt ein „Dankesöön“ und verschwindet im Asia-Imbiss eine Tür weiter. Im Café Kosmos gibt es nur Kleinigkeiten zu Essen, aber niemand hat etwas dagegen, wenn man sich von nebenan etwas kommen lässt. Es ist noch nicht sehr voll, und erstaunlicherweise sind keine Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks zu sehen. Normalerweise trinken hier die halbe Zündfunkredaktion und der gesamte Volontärsjahrgang. Das Café gehört mit seiner 70er-Einrichtung und seinen leicht schäbigen Wänden definitiv zu den netteren seiner Art. Man mag es, wie man einen Sonderling mag, bei dem man nicht alle Spleens versteht, sie aber zu schätzen weiß. Das Bier wird in für hieseige Verhältnisse winzigen Gläsern verkauft, ist aber auch sensationell billig. Heute ist Pisco Sour im Angebot, einen Drink, den ich in München noch nie so bekommen habe, wie er gehört. Auch hier nicht – das Eiweiß fehlt.

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Wir umrunden den Hauptbahnhof und biegen in die Goethestraße ein. Hier reiht sich Döner- an Gemüse- an Import-Export-Laden, und eine Kneipe wie das Café Gap erwartet man eigentlich überhaupt nicht. Es ist in einem renovierungsbedürftigen Flachbau beheimatet, die Tische sind zusammengewürfelt, manche aus massivem Holz wie in Wirtshäusern auf dem Land, von den Stühlen blättert der Lack ab. Wir setzen uns an die einzigen freien Plätze neben zwei Schlaumeierbrillen. Die Gäste hier sehen immer so aus, als unterhielten sie sich gerade über die Lage der Popliteratur oder Bedeutung von Joy Division in der Entstehung des Post-Punk. Das Bier kommt schnell, ebenso die Maultaschensuppe für 3,50 €. Die Küche ist übrigens offen einsehbar, das gefällt mir. Der Münchner Kochbuchautor Sebastian Dickhaut findet auch, dass man hier gut essen kann.

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Auch wenn wir hier gerne versumpfen würden, ziehen wir weiter. Die Rubrik hier heißt ja schließlich nicht Zwei Bars, ein Viertel. Nur ist es gar nicht so leicht, rund um den Hauptbahnhof noch eine dritte gute Kneipe zu finden. Strip-Clubs gäbe es genügend, aber die wären mir selbst dann unsympathisch, wenn ein Bier dort nicht 8 € kosten würde. Auf einer Party hat mir mal jemand erzählt, er würde manchmal in die Bars der vielen Hostels gehen, die es in der Gegend hier gibt. Da gäbe es manchmal Konzerte, immer feierwillige Backpacker, und manche Leute – er natürlich nicht – würden dort bevorzugt hingehen, wenn sie ihre Chancen erhöhen wollen, nicht alleine nach Hause zu gehen. Nach unserem Bier im Wombats glaube ich ihm. Wir sitzen noch keine fünf Minuten an der Bar, genüsslich die offenkundig sehr betrunkenen Ami-Kids bei der Vorbereitung ihrer Wasserpfeife beobachtend, da werden wir schon von einem blonden Mädchen angequatscht: „So, where are you from?“ Sie rutscht auf den freien Sicherheitsabstands-Barhocker neben uns. Leider verpassen wir die Chance, uns als tasmanische Hochseefischer auszugeben. „Munich“, antworte ich. Sie, leicht enttäuscht: „Ach so… ich auch.“ Ob sie oft hier ist? Ja, schon, wegen der billigen Getränke (billig? Ein Bier kostet 3,30 €), und, hihi, man lerne halt immer neue Leute kennen.
Ein paar dieser Leute haben es wohl schon ein bisschen übertrieben, eine Hostel-Angestellte schaufelt gerade Sägespäne in den Aufzug. Wir gehen dann mal lieber.

DAS VIERTEL IN FAKTEN

  1. Café Kosmos (Dachauer Str. 7), 089/55295867, Mo. bis Fr. 12 bis mindestens 1 Uhr, Sa. 18 – mindestens 3 Uhr.
  2. Café Gap (Goethestr. 34), 089/54404094, Mo. bis Fr. 9 bis 1 Uhr, Sa bis So, 19 bis 1 Uhr.
  3. Wombats Bar (Senefelder Str. 1) 089/59989180

Welche Bars im Hauptbahnhof-Viertel findest du gut? Haben wir deine Lieblingskneipe vergessen? Verrate sie uns!
Nächste Woche schauen wir, was es im Schlachthofviertel gibt. Auch hier sind Vorschläge willkommen.

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Stephan
24.04.09
http://www.089blog.de

Hallo. Cooles Blog. Ich kenne das Blog jetzt.de von der sueddeutschen auch schon länger. Wir können uns gern verlinken. Ich setze eure Seite in meine Blogroll.
LG Stephan

Münchner Mittagspause Macher
30.04.09
http://mittagessen.wordpress.com/2009/04/30/199/

[...] April 30, 2009 in Editorial, Feierabendbier | by mitesser Als wir das Café Kosmos durch die gläserne Tür betreten, müssen wir als erstes ein Ausweichmanöver fahren. Eine mit ziemlich vielen Tellern beladene Asiatin kommt uns entgegen, murmelt ein „Dankesöön“ und verschwindet im Asia-Imbiss eine Tür weiter. bessermuenchen.sueddeutsche.de [...]

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17.11

Miriam Ledig

Einlass 20 Uhr!!! Goldline 21 Uhr :)

16.11

fidel

verdammt ist das alles wahr.. alles stimmt einfach absolut zu 100%. beängstigend. bin grad auch im regensburger exil allerdings mit dem festen Vorsatz, spätestens nach dem Studium wieder da unten zu sein.. schlimm

16.11

Jan

@Max: Merci!

16.11

Max

Swarp-Market --> Swap Market

16.11

Max

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