24.0818:30 Uhr

Münchner Blogger (1): Deef Pirmasens

Münchner Blogger (1): Deef Pirmasens

Christian

Viele Münchner Blogger kennen sich bei einem Thema besonders gut aus. besser München besucht sie und spricht mit ihnen über Spezialgebiet. Heute: Deef Pirmasens (www.gefuehlskonserve.de).

„Das englische Frühstück und ein Helles bitte.“ Englisches Frühstück? Es ist 16 Uhr! Deef Pirmasens’ lange Haare sind noch nass, er kommt wohl gerade aus der Dusche. Neben der Bestellung ein weiteres Indiz dafür, dass er ein Lotterleben führt. So eines, wie unsere Eltern es vielleicht von einem Blogger erwarten würden. Spät aufstehen, den ganzen Tag in Boxershorts vor dem Rechner sitzen, den Interviewpartner ins Café gegenüber und sich selbst gleich ein Bier bestellen.

Aber das stimmt nicht. Hier sitzt einer der aktiveren Menschen Münchens – und das nicht nur, weil er auf www.gefuehlskonserve.de ein reichhaltiges Angebot ins Netz liefert. Unter seinem Künstlernamen Deef Primasens lädt er dort kleine geschriebene oder fotografierte Stücke hoch – zum Beispiel Dialogfetzen, die er in der Stadt aufgeschnappt oder sich ausgedacht hat, sowie Fotos von Street Art, die ihm ins Auge gesprungen ist. Letztere findet er auch deshalb wichtig, weil sie ein Münchenbild transportiert, das viele gar nicht kennen: „München existiert bei Nicht-Münchnern oft als verzerrtes Bild“, sagt er. „Street Art gehört nicht zum Image – die Leute erwarten leider oft nur Schicki-Micki und Dirndl-Kitsch.“ Außerdem bietet er viel Multimediales: Selbstvertonte Hörbücher, Videos, Podcaststücke zu verschiedenen Themen, die ihn bewegen: Literarisches, Lustiges aber hin und wieder auch Politisches, wie einen offenen Brief an Medien und Politiker zum Thema Winnenden und sogenannte Killerspiele.

gefuehlskonserve-screen

Wenn man ihn sprechen hört, ob im Podcast oder im Café, hört man, dass er das gerne tut. Nicht etwa weil er zu viel redet. Sondern weil er Freude daran hat, sich auszudrücken. Er arbeitet für Radio und Fernsehen, hat Erfahrung als Moderator gesammelt und Sprech- und Schauspielunterricht genommen. Das hört man seiner Stimme und Sprechweise manchmal an.

Irgendwann wurde ihm das Fassungsvermögen seiner Gefühlskonserve aber zu eng. Er wollte live lesen. „Bei einem Podcast kannst du alles perfekt produzieren und jeden Satz so oft einsprechen, bis er passt. Mich hat es irgendwann gereizt, das live auch gut hinzukriegen.“ Seitdem ist er regelmäßig auf Münchner Poetry-Slam- und Lesebühnen zu erleben, im Stragula im Westend zum Beispiel. Er mag es, die Reaktionen des Publikums zu erleben, die Überraschung, wenn an Stellen gelacht wird, an denen er es gar nicht erwartet hätte.

Vor drei Monaten hat er seine eigene – und sofort sehr gut besuchte – Veranstaltung ins Leben gerufen. Ganz in der Tradition seiner eigenen medialen Vielseitigkeit wird dort aber nicht nur gelesen. Die Texte werden von Musik und Visuals begleitet, „Multimediale Lesung“ nennt Deef das. Er legt einen Flyer auf den Tisch. „Strobo“ steht darauf zu lesen. Zusammen mit dem Schauspieler Maximilian Stangl wird er „Technoprosa aus dem Berghain“, Texte des Berliner Autors Airen vorlesen (3.9. in der “Niederlassung”). Dass das gar nicht seine eigenen Texte sind, stört ihn nicht im Geringsten. Denn er begreift eine Lesebühne immer auch als einen Ort, an dem er als Schauspieler auftreten kann.

deef_240

KURZ GEFRAGT

besser München: Darum wohnst Du in München:
Deef Pirmasens: Viele Städte sind schön von Weitem und weit von Schönem. München dagegen ist ganz wunderbar – vor allem aus der Nähe.

Darum bloggst Du:
Um kostenlose Hörbücher, krude Kurzgeschichten, gescheiterte Witze und anderes Zeug zu verbreiten.

Dein liebstes Stück München:
„Lichtpausen Lechner“ in der Baaderstraße, der wahrscheinlich älteste Copyshop der Stadt mit der freundlichsten Fotokopierfachfrau Münchens.

Was Dich an München am meisten stört:
Nichts. Was ich ändern kann, ändere ich und was ich nicht ändern kann, ignoriere ich.

Wer in München etwas erleben will, sollte:
Cocktails schlürfen in der Lizard’s Lounge, Sonnenuntergang genießen am Monopterus, streiten mit der Café Kosmos-Türsteherin, ob man das halbvolle Bier mit raus nehmen darf, Kickern im Tumult bis die Stühle hochgestellt werden, Afterhour-Tanzen im Palais, Schmalznudeln frühstücken im Café Frischhut. Und in besonders glücklichen Nächten empfiehlt sich der Candy Club in der Roten Sonne oder eine Party in der Kunstakademie.

Dein liebster Münchner Autor:
Erich Kästner, der von 1945 bis 1974 in München lebte. Für den „Fabian“hätte er den Ironie-Nobelpreis verdient.

Dein liebster Münchner Ort, um ein Buch zu lesen:
Am Lesepult im Bar-Restaurant Niederlassung, Buttermelcherstr. 6. Immer am ersten Donnerstag im Monat gebe ich dort eine multimediale Lesung.

Das beste Buch über München:
„Berlin Alexanderplatz“ – War ein Witz.

Ein falsches Gerücht über die Münchner Literatur- und Poetry-Szene:
Dass es sie nicht gäbe.

Ein wahres Gerücht über die Münchner Literatur- und Poetry-Szene:
Yes, we can!

Thomas Mann oder Mjunik Disco?
Stehen beide im Regal.

Glockenbach oder Maxvorstadt?
Unbedingt.

Poetry Slam oder Lesung?
Bei Slams sitze ich gerne vor der Bühne, bei Lesungen darauf.

1
we love… « Unilife oder Kapinski nimmt einen Drink an der Bar
25.08.09
http://kapinski.wordpress.com/2009/08/25/we-love/

[...] Diesmal: Deef Pirmasens. Zum Interview (sehr lesenswert), geht es hier. [...]

Wir machen Dein München besser - mit täglichen Tipps für das Leben in Deutschlands schönster Stadt. mehr über uns

Hier erreichst Du uns: bessermuenchen@jetzt.de

8.02

Max

Link funktioniert nicht.

5.02

Jan

@Sarah: Acid Kids spielen am Samstag in Freising, im Lindenkeller.

4.02

Sarah

Die Acid Kids waren hammer! stimmt es, dass die am samstag wieder in münchen auflegen?

31.01

yos

gibt es auch einen nachtrag dazu?

31.01

zwischen Malching und Olching

Perfekte Beobachtungsgabe und in allen Punkten so treffend... hoffentlich nennen sie uns später nicht die Generation - ING!?

Verpasse keine Neuigkeiten mehr! RSS-Feed / Atom-Feed abonnieren

Add to Google Reader or Homepage
Oder: Lass Dich bei neuen Einträgen per Email benachrichtigen: